Martina Hefter: „Ich sehe mir selber erstaunt zu, wie ich einfach unbeirrt weiter mache.“

In Vorbereitung auf KOOK.MONO habe ich allen 12 Autor*innen dieselben vier Fragen gestellt. Das sind Martina Hefters Antworten:

1. Wie kommst Du mit den Proben voran? An welchem Punkt des Probenprozesses stehst Du gerade?

Bis auf zwei kleine Entscheidungen, die mit dem Licht zu tun haben und die ich erst im Dock 11 beim Einrichten treffen kann, bin ich fertig mit der Erarbeitung und kann jetzt einfach schön die Durchläufe proben. Bin also entspannt und genieße es gerade. Was nicht heißt, dass ich nicht doch in letzter Minute noch was ändere, aber im Moment fühlt sichs für mich ganz stimmig an.

2. Welche Chancen siehst Du im performativen Format im Bezug auf Deine eigene künstlerische Arbeit?

Schwer zu sagen. Ich denke generell nicht so viel über Chancen nach. Im Bezug auf das, was ich mache, müsste ich eigentlich sagen, es gibt für mich kaum Chancen, mich in diesem Bereich noch groß zu etablieren. Ich bin eine Frau über 50, und das Feld, in dem ich im performativen Bereich hauptsächlich arbeite – am ehesten im darstellenden Bereich, eine Art Mischung aus Theater und Bildender Kunst – ist schon sehr von jungen Leuten dominiert und zum Teil auch auf Ungebundenheit seiner Akteur*innen ausgerichtet, auch was die Arbeitsweisen betrifft. Aufmerksamkeit bekommt man als Frau ü50 sowieso viel weniger, sowohl in der Literatur als auch im gesamten darstellenden Bereich. Aber zu meinem eigenen Erstaunen schreckt mich diese Realität nach wie vor nicht ab, ich sehe mir selber erstaunt zu, wie ich einfach unbeirrt weiter mache. Ich glaub, ich kann nicht damit aufhören, ich mag diese Arbeit einfach zu sehr. Vor allem mit meinem Performancekollektiv Pik 7 – wir haben noch viel vor. Und vielleicht ist da bei mir auch ein revolutionärer, zumindest aber starrhalsiger Impuls dabei, der diesen doofen Ageism (vor allem gegenüber Frauen) endlich mal abschaffen will.

3. Welchen Stellenwert hat das Sprechen in Deinem Stück? Und welchen die Schrift und das Szenische? Gibt es einen Schwerpunkt?

Alle drei Aspekte haben für mich etwa den gleichen Stellenwert. Bei mir muss alles aufgefahren werden, was mir zur Verfügung steht. Mir ist auch die optische und räumliche Einrichtung sehr wichtig. In meinem Sprechstück für KOOK.MONO arbeite ich mit mehreren Objekten und trage ein zum Teil aufwändiges Kostüm. Dazu habe ich mit Ulrike Feibig zusammengearbeitet (sie ist auch Teil des Kollektiv Pik 7), die die Objekte und das Kostüm hergestellt hat. Sie ist so ein Multitalent und hat unter anderem eine Art inoffizielle Ausbildung bei einer Kostüm- und Bühnenbildnerin gemacht und in diesem Bereich professionell gearbeitet. Darüber hinaus ist sie selbst Performerin und Dichterin, und auch ihr Rat in dramaturgischer Hinsicht war für mich sehr wichtig.

4. Was würdest Du Deinem Publikum gerne mitgeben?

Hm, schon wieder eine schwierige Frage. Wenn ich ehrlich bin, ist mir der Aspekt der „Unterhaltung“ nicht ganz unwichtig. „Erfahrung“ oder „Erkenntnis“ zu erlangen, funktioniert ja nicht nur über eine rein – wie soll ichs sagen – verstandesmäßige, kognitive Ebene, das ist ja auch nichts Neues. Für mich waren immer Aspekte von Staunen und eines milden Spektakels irgendwie wichtig. Und auch – schwieriger Begriff: Schönheit. Mir ist es wichtig, dass das Publikum einen Aspekt von Schönheit zu sehen (und hören) bekommt in meinen Arbeiten. Irgendwie habe ich immer das Gefühl, nur durch diese Erfahrung von Schönheit (die natürlich nicht unbedingt einer landläufigen Vorstellung von Schönheit entsprechen muss, aber manchmal passiert auch das) lassen sich für ein Publikum dann weitere Erfahrungen überhaupt erst machen. Man muss sich gern drauf einlassen auf das, was man da sieht/hört. Diese Form von Schönheit verstehe ich aber nicht als Gegenteil von „Hässlichkeit“. Eher ist es vielleicht eine Form von Sorgfalt. Ich tue sehr viel Sorgfältiges für das Publikum, so könnte man es vielleicht auch sagen. Und ich will genau das ihm auch mitgeben: Eine Erinnerung an Sorgfalt und Umsicht.