Max Wallenhorst: „Ich will eigentlich was ziemlich einfaches sagen: Dass sich Machtpositionen für einige, zum Beispiel Cis-Männer, manchmal scheiße anfühlen, das allein ändert nichts an der Machtposition.“

In Vorbereitung auf KOOK.MONO habe ich allen 12 Autor*innen dieselben vier Fragen gestellt. Das sind Max Wallenhorsts Antworten:

1. Wie kommst Du mit den Proben voran? An welchem Punkt des Probenprozesses stehst Du gerade?

Haha, ich bin an dem Punkt: Ich hoffe trotz allem immer noch, dass am Ende noch die Stelle kommt, an der ich Love-Dinge sage.

2. Welche Chancen siehst Du im performativen Format im Bezug auf Deine eigene künstlerische Arbeit?

Meine künstlerische Praxis ist textbasiert, aber – wie ungefähr alle – finde ich Wasserglaslesungen doof. Als jemand, der zu Gender und Gefühlen arbeitet, will ich die Stelle, an der ein Text auf seine Performance trifft, nicht einfach verschlucken, sondern ausprobieren, wie sie sich navigieren lässt. Wo bin ich, wo der Text, wer hört zu, wer liest mit, was kann Nähe sein zwischen uns und was genug Platz? Weil der Text immer für vieles stehen kann und alle anderen sowieso auch, sind das für mich gar nicht so literarische Fragen, sondern auch Fragen nach den Abständen im Zusammenleben.

3. Welchen Stellenwert hat das Sprechen in Deinem Stück? Und welchen die Schrift und das Szenische? Gibt es einen Schwerpunkt?

Der Text läuft in einer Projektion runter und ich spreche, singe, indem ich nicht singen kann, sage was dazu. Meine Hoffnung ist, dass ein Sprecher-Ich verschiedene Abstände einnehmen kann zum Ich-Text-Video, intime Nähe oder bloße Koexistenz oder oder. Ich versuche damit zu experimentieren, wie Form und Verkörperung miteinander verknüpft sein können – oder Gefühl und Inhalt – oder Männlichkeit und Traurigkeit.

4. Was würdest Du Deinem Publikum gerne mitgeben?

Ich will eigentlich was ziemlich einfaches sagen: Dass sich Machtpositionen für einige, zum Beispiel Cis-Männer, manchmal scheiße anfühlen, das allein ändert nichts an der Machtposition.
Und dann will ich noch etwas anderes, wovon ich sage, dass ich es noch nicht singen kann, aber singe, weil es mir selbst so neu ist und ich komme auch immer durcheinander. Das sind dann eher Fragen: Was fühlt sich alles an wie Liebeskummer, ist aber keiner? Was bedeutet es, sich zu labeln, wenn doch klar ist, dass eigentlich alles viel komplizierter ist? Spoiler: Was Gutes!